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547 – Das Schatzibärchen

28. Juni 2020

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  • Liebe

Liebe Frauen,

wie nennt Ihr Euer Schatzi?

Bärchen?

Ja, hat denn der keinen richtigen Namen?

Oder habt Ihr den schon vergessen?

Allerweltskosenamen

Kosenamen seien ein Zeichen von Intimität, heißt es, weil Kosenamen so eine Art Geheimnamen sind. Vornamen sind doch langweilig, so kann man sich von jedem nennen lassen. Selbst die üblichen Verkleinerungsformen sind gang und gäbe. Pauli, Hansi, Chris. Aber für den Menschen, den ich liebe, für den denke ich mir etwas ganz Eigenes und Persönliches aus. Einen Kosenamen.

Was aber leider so nur selten aufgeht. Weil die meisten Kosenamen, die man so hört, eben alles andere als individuell sind. Wahrscheinlich laufen mehr Schätze und Schatzis und so durch die Welt, als Susis und Peters. Oder gar Babys. Wer nicht alles wessen Baby schon war. Und ich lehne mich mal halbwegs weit aus dem Fenster und behaupte, dass es nicht wenige Menschen gibt, die von Person zu Person den gleichen Kosenamen benutzen. Die sind halt immer wieder mit neuen Hasen zusammen.

Und auf einer Party ruft einer: mein Sternchen, und zwölf Menschen drehen sich um.

Also wenn schon Kosename, dann wirklich etwas, das zu dieser Person und nur zu dieser Person passt.

Und dann wird es schwer.

Inspiration

Worauf bezieht man sich denn da? Auf das Aussehen? Und weil Bärchen nicht mehr geht, weil es ja so viele davon gibt, probieren wir’s mit Rumkugel? Könnte als versteckter Vorwurf, Alkoholiker zu sein, aufgefasst werden. Und wer will sich schon Kugel nennen lassen?

Nein, das muss sich ergeben, am besten aus einer Situation heraus, der Name muss mit einer Geschichte zusammenhängen, eine Geschichte, die nicht nur den Namen erklärt, sondern auch die beteiligten Personen miteinander verbindet, ein gemeinsames Erlebnis. Da kann dann schon was Schönes entstehen. Etwa Stinker, weil weißt du noch …

Nein, nicht Stinker, jeder, der mal wo gepupst hat, heißt Stinker, egal wie lustig es damals war. Also: Windhose. Das gibt es nicht so oft als Kosename. Und erklärt das gleiche.

Herr Lugner

Oder Tiernamen. Hasi, Mausi, Kitz und Reh. Ich glaube, all diese Namen hat der alte Herr Lugner bereits für seine jungen Freundinnen verwendet. Und ganz ehrlich, ich finde, die haben alle was äußerst Herablassendes. Liegt aber möglicherweise daran, dass ich da den alten Herrn Lugner vor mir sehe, dem nichts Besseres einfällt, als wieder irgendeine Frau mit einem Tiernamen zu versehen. Da kann mir niemand erzählen, dass diese Namen noch was mit den Personen, die benannt werden, zu tun haben. Küken, Schnecke, Wurm.

Der alte Herr Lugner ist aber vielleicht auch einfach nur ein wenig vergesslich ob seines Alters, und kann sich weder Tschenniffer und Tschackeline merken, oder wie sie auch immer heißen mögen (eben, keine Ahnung, jeder kennt sie höchstens als Spatzi oder Bambi).

A propos Spatzi. Ihr wisst schon, dass man so auch das männliche Genital benennt? Weil man sich nicht traut, Penis zu sagen. Warum nennt man dann einen Menschen ebenso? Weil es das ist, worauf es ankommt? Was macht es dann für einen Eindruck, wenn ich von meiner Frau vor der Kollegenschaft mit „Spatzi“ angesprochen werde? Könnte sie auch „Schwanz“ rufen.

Oder mit: „Mein Dickerchen“? Oder „Mein Großer“? Wer mich kennt, weiß, dass sich dies nicht auf meine Körpergröße beziehen kann. Brummbär, Knutschkugel, Puppe oder Prinzessin … All das will ich nicht in der Öffentlichkeit hören.

Vornamen

Nennt Euch, wie Ihr wollt, wenn Ihr unter Euch seid, aber Kosenamen in Gegenwart anderer verwenden, geht, finde ich, gar nicht. Egal wie harmlos er ist.

Nur dann will man sein Engelchen anlässlich einer Firmenfeier ansprechen, und was passiert? Es will einem auf die Schnelle der richtige Name nicht mehr einfallen. Harald? Nein. Oder? Gisela?

Und warum muss ich mir einen Namen von wem anderen geben lassen? Wenn ich mich schon mit einem Namen anreden lassen muss, der nicht in meinem Pass steht (und auch der wurde mir von Menschen gegeben, die mich zu dem Zeitpunkt noch nicht so lange kannten), dann will ich ihn mir gefälligst selbst aussuchen.

So.

Ich habe ihn ausgesucht.

Es ist meiner.

Euer Adam

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