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457 – Der Streit

7. Oktober 2018

2 Kommentare

  • Liebe

Liebe Frauen,

na, streitet Ihr oft mit Eurem Mann?

Nicht?

Das müsst Ihr aber. Unbedingt, das ist wichtig, das weiß doch jeder, dass man streiten muss, dass man sich auseinandersetzen muss, weil das ist ja auch ein gutes Zeichen in einer Beziehung, dass man streitet, weil das heißt, dass man nicht immer einer Meinung ist, dass man auch mal anderer Meinung ist, dass man seine eigene Meinung hat, dass man noch ein Individuum ist, ein Mensch für sich, der selbst denkt und nicht vollkommen aufgegangen ist in einer Zweisamkeit, die den einzelnen gar nicht mehr vorkommen lässt, weil auch das wissen wir ja, dass eine Beziehung immer noch (meistens) aus zwei Menschen besteht, und wir dürfen uns ja nicht einfach so vereinnahmen lassen und uns selbst verlieren, weil sonst stehen wir irgendwann da, sind nicht mehr da, nur noch ein Teil eines Tandems sind wir, und dann fällt man um, wenn das zweite Rad fehlt, dann ist es aus, die Maus, die Beziehung, das Paarsein, dann ist man am Ende wieder alleine, aber derweil hat man sich selbst verloren und weiß nicht mehr, wer man ist.

Genau deswegen ist es wichtig, sich zu streiten.

457 - der Streit | Adam sprichtUnd wegen dem Versöhnungssex natürlich auch.

Die Wogen und die Wellen

Ja, da kann man sich auch schon mal so richtig anbrüllen, klar. Oder man wirft sich Dinge an den Kopf, die man außerhalb eines Streits noch nicht mal denken würde. Oder in die Hand nehmen. Da sagt man mal die Wahrheit, verfickt, da kommt es raus, das muss ja auch mal sein. Wenn die Wogen hochgehen und die Wellen sich überschlagen, dann ist das nichts gegen den Tsunami, den man auslöst, zuerst nimmt man Anlauf, und dann aber volle Kanne reingebrettert, da bleibt nichts mehr heil. Das ist Streit. Fetzen fliegen. Muss so. Hurra.

Und dann liegt man angeschlagen (wenn auch hoffentlich nach wie vor nur im nicht-wörtlichen Sinn) in den Seilen und es ist raus, endlich, all das, was sich angestaut hatte. Einmal durchschnaufen, sich die Hand geben, gut ist.

Und dann natürlich Versöhnungssex, klar.

Der Auslöser

Und weswegen haben wir nochmal gestritten? Egal. Hauptsache wir haben. Weil sämtliche Beziehungsratgeber dieser Welt raten dazu. Und sämtliche Frauenzeitschriften auch. Also tun wir es. Erledigt.

Und wir wissen nicht einmal mehr, warum wir uns gefetzt haben.

Dann kann es nicht so schlimm gewesen sein.

Die Lüge

Liebe Frauen, darf ich Euch mal was sagen?

Ja, ich darf, sonst würdet Ihr ja nicht mehr lesen.

Also: Das ist alles bullshit, Lüge, fake news. Es wird nur geraten, sich auch mal zu streiten, damit man es nicht so schlimm findet, wenn man es tut. Schlimm aber ist es, wenn man es tut und dann sich denkt, jaja, ist ja nicht so tragisch, und darüber nicht einmal mehr weiß, warum man es getan hat. Weil das heißt: Der Auslöser des Streits ist immer noch da, gut versteckt irgendwo in den Gedärmen. Und wird wiederkommen. Und dann wird wieder gestritten. Und wieder denkt man sich: Ja, gut, das muss so sein, in jeder gesunden Beziehung wird ja gestritten.

Nein.

Erstens: Wenn es einen Auslöser für einen Streit gibt, kann man diesen auch ohne zu streiten angehen. Und lösen. Ist meistens nämlich einfacher, wenn man gerade nicht rumbrüllt. Oder rumzickt. Oder rumnörgelt. Oder sonstwas mit rum. Zweitens: Vielleicht gibt es ja gar keinen Auslöser. Vielleicht gibt es gar keinen Grund, sich zu streiten. Ist das normal? Ja, verfickt. Wenn auch selten. Aber das Leben kann man auch ganz gut ohne Streit verbringen. Und manchmal sogar besser.

Und Sex kann man auch dann haben, wenn man sich nicht dazu versöhnen muss.

Euer Adam

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2 Kommentare zu "457 – Der Streit"

  • Streiten wie oben beschrieben: Nein, aber diskutieren! Gibt es ein Problem in der Beziehung, etwas, was einem stinkt bzw. gegen den Strich geht, irgendein Problem, welches man gerade mit dem Partner hat (soll ja schon einmal vorkommen)… Stephan und ich diskutieren leidenschaftlich gerne. Haben wir also ein Problem, setzen wir uns gemütlich zusammen und diskutieren das aus.

    Stimme uneingeschränkt zu: Brüllen und Rumzicken ist dafür nicht notwendig. Das Gegenteil hat sich als deutlich wirksamer erwiesen: Leise (das zwingt zum Zuhören), aber akzentuiert aussprechen, was einem auf der Seele liegt bzw. nicht passt. Präzisieren, was man sich als Lösung vorstellt, die Gegenargumentation anhören und… sich dann einigen. Solange beide wollen, stellt das auch keine Schwierigkeit dar. Problematisch sehe ich das nur, ist man in der Beziehung in einer Phase angekommen, wo beiden bereits der Wille fehlt…

    Und spüre ich (bzw. selbstredend gilt das auch umgekehrt), dass Stephan für ein derartiges Gespräch gerade nicht empfänglich ist (jeder hat mal einen schlechten Tag oder wälzt auch im Privatleben ein berufliches Problem, mag aber aktuell nicht/noch nicht darüber reden), na gut, dann verschiebt man sein Gespächs-, Klärungsvorhaben eben auf einen anderen, jedoch in sehr naher Zukunft liegenden Tag, zu lange sollte man auch nicht warten.

    Das halten wir beide für wesentlich praktikabler und sinnvoller, als ein endloses „sich anbrüllen“. Was erreicht man mit Brüllerei und Gezicke? Allenfalls, dass der Partner seine Ohren auf Durchzug stellt und in der Situation nur wenig Entgenkommen/Einigungswillen zeigt.

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